Denkerei: Gisela Stelly Augstein „Keitumer Gespräche“

Zur Neuvermessung der Familien Augstein und Walser. Eine Buchvorstellung

Gisela Stelly Augstein: Keitumer Gespräche | Berlin: Westend, 2018. Gisela Stelly Augstein
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Sieben Jahre nach dem Tode von Rudolf Augstein gibt im November 2009 dessen ältester Sohn Jakob erstmals Martin Walser als seinen leiblichen Vater preis und erklärt den bisherigen zu seinem gesetzlichen Vater. In ihrem Buch umkreist Gisela Stelly Augsteins literarisch-poetischer Text die Neuvermessung der Familien Augstein und Walser. Und unvermittelt entwickelt sich aus dieser Klage des entleibten Vaters (Rudolf Augstein) ein veritables Bühnenstück – halb Tragödie, halb Komödie. Die Protagonisten sind Fritz (Fritz J. Raddatz), die Mutter (Maria Carlsson-Augstein), der Vater (Martin Walser), der Sohn (Jakob Augstein) und ein Anwalt.

Bazon Brock erinnert an die Geschichte der Gespräche von jenseits des Grabes: Wie lernt man, mit den Toten zu sprechen? Indem man Historiker wird. Sie sind die Lobbyisten der Toten, deren Mitspracherecht an heutigen Entscheidungen nur sehr schwach im Denkmalschutz, in Testamenten oder in der Bestandssicherung der Museen berücksichtigt wird. Seit heute auf der Erde gleichzeitig mehr Menschen leben, als je zuvor gelebt haben, reklamieren wir für die Toten Minderheitenschutz.

Zur Autorin:

Gisela Stelly Augstein ist im Berlin der fünfziger und sechziger Jahre aufgewachsen und war von 1972 bis 1991 mit dem Spiegel-Gründer Rudolf Augstein verheiratet. Sie hat für Die Zeit geschrieben, Filme gedreht (Buch und Regie) und ist Romanautorin, zuletzt mit dem Buch Goldmacher (Arche Verlag 2012). Sie lebt in Hamburg und Berlin.

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