Denkerei: Der Schlaf als Wächter des Films

Vortrag von Johannes Binotto

Johannes Binotto
Klappentext, bibliografische Angaben oder Entsprechendes

Im Rahmen der Ausstellung „Schlafende“ von Silke Rehberg

Wir alle sind schon mal im Kino eingenickt und doch ist das Schlafen im Kino nichts, worüber man offen sprechen würde, sondern bleibt verpönt, ein Fehlverhalten. Was aber, wenn die Möglichkeit, dass das Publikum einschläft, vom Kino nicht nur riskiert, sondern sogar anvisiert wird? Wie müsste eine Medienphilosophie des Schlafens im Kino aussehen?
Der Schweizer Medienwissenschaftler Johannes Binotto ergründet im Dialog mit Filmbeispielen und Textstellen das Potential des (Ein-)Schlafens im Kino als quasi-hypnotischen Zwischenzustand, in dem der Zuschauer das Gesehene neu montiert: „Wenn ich bei Horrorfilmen einnicke, schneide ich regelmässig die grausigsten Sachen weg.“
Für Binotto ist das Kino einer der letzten Orte, an dem man noch schlafen kann – im Gegensatz zur Nonstop-Aktivierung privat genutzter social media-Kanäle.

Zur Person:
Johannes Binotto, geboren 1977, ist Kultur- und Medienwissenschaftler, Co-Redaktor der Zeitschrift RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse und schreibt als freier Autor u.a. für die Neue Zürcher Zeitung und das Filmmagazin filmbulletin.
Er ist Post-Doc-Researcher am Englischen Seminar der Universität Zürich, wo er mit einer Studie zum unheimlichen Raum in Kunst, Literatur und Film promoviert hat. Zum Post-Doc-Projekt siehe: http://www.entstellungen.org. Ausserdem ist er Dozent für Filmtheorie an der Hochschule Luzern Design+Kunst. Daneben leitet er seit Jahren Seminare zum Thema «Film & Psychoanalyse» am Zürcher Lacan-Seminar und an der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli.